Hohe Solarstromerzeugung senkt Day-Ahead-Preise an der Strombörse

1/9/2025

Der Strompreis an der Börse reagiert sensibel auf Angebot und Nachfrage – insbesondere auf die Einspeisung erneuerbarer Energien. Der August liefert dafür ein anschauliches Beispiel: Eine außergewöhnlich hohe Photovoltaikproduktion führte zu spürbar sinkenden Day-Ahead-Preisen und einer hohen Zahl negativer Stromstunden.
Dieser Artikel ordnet die aktuellen Marktdaten sachlich ein, erklärt die Ursachen der Preisentwicklung und zeigt auf, warum Solarstrom zunehmend preisdämpfend wirkt – auch über Deutschlands Grenzen hinaus.

1. Rückblick: Deutlich niedrigere Day-Ahead-Preise im August

Am kurzfristigen Strommarkt, dem sogenannten Day-Ahead-Markt, sind die Preise im August merklich gesunken. Der durchschnittliche Börsenstrompreis für die Lieferung am Folgetag lag bei rund 7,6 Cent pro Kilowattstunde. Damit fiel er etwa 1,2 Cent/kWh niedriger aus als im Vormonat Juli, in dem noch durchschnittlich knapp 8,8 Cent/kWh erzielt wurden.

Diese Entwicklung zeigt, wie stark kurzfristige Marktpreise von der tatsächlichen Einspeisung erneuerbarer Energien beeinflusst werden – insbesondere in sonnenreichen Sommermonaten.

2. Viele Stunden mit extrem niedrigen und negativen Preisen

Ein weiterer auffälliger Aspekt im August war die hohe Zahl sogenannter Negativpreisstunden. Von insgesamt 744 Stunden des Monats lag der Strompreis in mehr als 50 Stunden unter null. In diesen Zeiträumen überstieg das Stromangebot die Nachfrage so deutlich, dass Erzeuger faktisch für die Einspeisung bezahlen mussten.

Solche Preissignale sind kein Ausnahmefall mehr, sondern treten zunehmend in Phasen mit:

  • hoher Solar- und Windeinspeisung
  • geringer Nachfrage (z. B. an Wochenenden oder Feiertagen)
  • begrenzter Flexibilität auf Verbrauchs- und Speicherseite

auf.

3. Erneuerbare erreichen über 60 Prozent Anteil

Parallel zu den sinkenden Preisen stieg der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung deutlich an. Im August lag er bei rund 61,5 Prozent. Damit wurde erneut mehr als die Hälfte des Strombedarfs durch Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft gedeckt.

Besonders die Photovoltaik spielte dabei eine zentrale Rolle und prägte die Preisentwicklung am Spotmarkt maßgeblich.

4. Photovoltaik als Haupttreiber der Preisentwicklung

Als wichtigste Ursache für die niedrigen Day-Ahead-Preise gilt die außergewöhnlich hohe Solarstromproduktion. Photovoltaikanlagen speisten im August über neun Milliarden Kilowattstunden Strom ins Netz ein – ein für Deutschland sehr hohes Monatsniveau.

Solarstrom weist nahezu keine Grenzkosten auf. Sobald er verfügbar ist, wird er im Rahmen des Merit-Order-Prinzips vorrangig vermarktet und verdrängt teurere konventionelle Kraftwerke aus der Preisbildung. Die Folge:

  • sinkende Börsenpreise
  • häufige Stunden mit sehr niedrigen oder negativen Preisen
  • steigender Druck auf flexible Erzeuger und Speicher

5. Warum Juli trotz hoher PV-Erzeugung teurer war

Bemerkenswert ist der Vergleich mit dem Juli: Auch dort lag die Solarstromproduktion bereits auf einem hohen Niveau. Dennoch waren die Day-Ahead-Preise deutlich höher als im August.

Der entscheidende Unterschied lag nicht in Deutschland, sondern im europäischen Umfeld – insbesondere in Frankreich.

6. Einfluss französischer Atomkraftwerke auf den Strommarkt

Im Juli kam es in Frankreich zu Leistungsreduktionen und Abschaltungen mehrerer Kernkraftwerke. Ursache waren unter anderem biologische Einflüsse: Quallen verstopften Kühlwasserfilter, was bei hohen Wassertemperaturen häufiger auftreten kann.

Solche Ereignisse haben direkte Auswirkungen auf den europäischen Strommarkt:

  • weniger verfügbare Grundlast in Frankreich
  • steigender Importbedarf
  • höhere Preise auch in benachbarten Ländern wie Deutschland

Der Strommarkt in Mitteleuropa ist eng miteinander verbunden. Engpässe oder Ausfälle in einem Land wirken sich daher unmittelbar auf die Preisbildung in anderen Ländern aus.

7. Klimatische Risiken konventioneller Kraftwerke

Die Vorfälle in Frankreich sind kein Einzelfall. Bereits in den vergangenen Jahren mussten dort Atomkraftwerke ihre Leistung reduzieren, weil Flüsse aufgrund von Hitze und Trockenheit:

  • zu warmes Kühlwasser führten
  • oder zu wenig Wasser für den sicheren Betrieb bereitstellten

Diese Entwicklungen zeigen, dass auch konventionelle Kraftwerke – insbesondere thermische Erzeuger – klimatischen Risiken ausgesetzt sind. Ihre vermeintliche Versorgungssicherheit relativiert sich zunehmend unter realen Wetterbedingungen.

8. Deutschland als wichtiger Stromlieferant für Europa

Die hohe Einspeisung deutscher Photovoltaikanlagen wirkte im Sommer nicht nur preisdämpfend im Inland, sondern hatte auch Auswirkungen auf den europäischen Stromhandel.

So erhöhte Frankreich zeitweise seine Stromimporte aus Deutschland, um Ausfälle der eigenen Erzeugung auszugleichen. Damit zeigt sich erneut:

  • Photovoltaik leistet einen Beitrag zur europäischen Versorgungssicherheit
  • Stromflüsse folgen kurzfristig den günstigsten Erzeugungsoptionen
  • Länder mit hohem EE-Ausbau profitieren nicht nur selbst, sondern stabilisieren das Gesamtsystem

9. Day-Ahead-Markt als Spiegel der Energiewende

Der Day-Ahead-Markt an der EPEX SPOT reagiert besonders sensibel auf wetterbedingte Einspeisung. Hohe Solarproduktion führt dort schnell zu:

  • sinkenden Durchschnittspreisen
  • erhöhter Volatilität
  • klaren Preissignalen für Flexibilität

Für Betreiber erneuerbarer Energieanlagen bedeutet das: Marktwerte schwanken stärker, langfristige Mittelwerte können jedoch sinken.

10. Bedeutung für Direktvermarktung und Anlagenbetreiber

Für Anlagenbetreiber in der Direktvermarktung sind diese Entwicklungen von zentraler Bedeutung:

  • Hohe Solarerträge erhöhen zwar die erzeugte Strommenge
  • gleichzeitig sinkt der Marktwert in Zeiten starker Einspeisung
  • negative Preise können Erlöse zusätzlich belasten

Das unterstreicht die wachsende Bedeutung von:

  • intelligentem Einspeisemanagement
  • Kombination mit Speichern
  • Flexibilisierung von Verbrauch und Erzeugung

11. Ausblick: Mehr Solarstrom, mehr Preisdruck?

Mit dem weiter beschleunigten Ausbau der Photovoltaik ist davon auszugehen, dass sich ähnliche Marktsituationen künftig häufiger wiederholen:

  • Sommermonate mit sehr niedrigen Day-Ahead-Preisen
  • zunehmende Zahl negativer Stunden
  • stärkere Abhängigkeit von Wetter und europäischer Marktlage

Gleichzeitig steigt der Bedarf an Flexibilitätsoptionen wie Batteriespeichern, Lastmanagement und grenzüberschreitendem Stromhandel.

Fazit

Der August zeigt eindrucksvoll, wie stark Solarstrom die Preisbildung am Day-Ahead-Markt beeinflusst. Eine sehr hohe Photovoltaikeinspeisung führte zu deutlich niedrigeren Börsenpreisen und vielen Negativpreisstunden. Gleichzeitig wurde sichtbar, wie eng der europäische Strommarkt verflochten ist und wie stark externe Faktoren – etwa Ausfälle französischer Kernkraftwerke – auf die Preisentwicklung wirken.

Für die Energiewende bedeutet das: Photovoltaik senkt langfristig die Strompreise, erhöht kurzfristig jedoch die Volatilität. Für Anlagenbetreiber und Marktteilnehmer wird es daher immer wichtiger, Strommarktmechanismen zu verstehen und flexibel auf Preissignale zu reagieren.

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