Marktwert Solar steigt im August deutlich: Was 6,359 Cent/kWh für PV-Anlagen bedeuten
Der Marktwert Solar ist im August 2026 deutlich auf 6,359 Cent/kWh gestiegen und liegt damit erheblich über dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig gab es 226 Viertelstunden mit negativen Börsenstrompreisen – eine Entwicklung, die für Betreiber von Photovoltaikanlagen zunehmend relevant wird.
15/9/2026
Der Marktwert Solar hat sich im August 2026 deutlich erholt. Mit 6,359 Cent pro Kilowattstunde lag er mehr als einen Cent über dem Wert des Vormonats. Gleichzeitig bleibt eine andere Entwicklung für Betreiber von Photovoltaikanlagen relevant: Negative Börsenstrompreise treten weiterhin regelmäßig auf und konzentrieren sich insbesondere auf die sonnenreichen Stunden des Tages.
Die August-Zahlen zeigen damit zwei Seiten des aktuellen Strommarktes. Einerseits können sich die Vermarktungserlöse von Solarstrom von Monat zu Monat deutlich verbessern. Andererseits sorgt der fortschreitende Ausbau der Photovoltaik gerade während hoher Einspeisung für zunehmenden Preisdruck.
Marktwert Solar steigt auf 6,359 Cent/kWh
Im August 2026 erreichte der Marktwert Solar 6,359 Cent/kWh. Gegenüber Juli, als er bei 5,226 Cent/kWh lag, entspricht dies einem Anstieg von rund 1,13 Cent/kWh beziehungsweise mehr als 21 Prozent.
Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Vergleich mit dem Vorjahresmonat: Im August 2025 betrug der Marktwert Solar lediglich 3,832 Cent/kWh. Der aktuelle Wert liegt damit rund 66 Prozent höher.
Für Betreiber von Photovoltaikanlagen in der Direktvermarktung ist diese Kennzahl besonders relevant. Der Marktwert Solar bildet vereinfacht ausgedrückt ab, welchen durchschnittlichen Wert die tatsächlich eingespeisten Strommengen aus Photovoltaikanlagen am Spotmarkt erzielen.
Er unterscheidet sich deshalb vom allgemeinen durchschnittlichen Börsenstrompreis. Entscheidend ist nicht nur, wie hoch die Strompreise insgesamt ausfallen, sondern auch, zu welchen Zeiten Photovoltaikanlagen ihren Strom produzieren.
Was ist der Marktwert Solar?
Der Marktwert Solar ist eine zentrale Kennzahl für die Vermarktung von Photovoltaikstrom im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Er wird auf Grundlage der Börsenstrompreise und der tatsächlichen Solarstromerzeugung berechnet.
Das ist insbesondere deshalb wichtig, weil Photovoltaikanlagen naturgemäß ähnliche Produktionsprofile aufweisen. Ein großer Teil der Solarstromerzeugung fällt auf die Mittagsstunden. Produzieren gleichzeitig sehr viele Anlagen große Strommengen, steigt das Angebot am Strommarkt erheblich.
Ist die Nachfrage nicht entsprechend hoch, können die Börsenpreise sinken. Dadurch kann auch der Marktwert Solar unter dem durchschnittlichen Börsenstrompreis liegen.
Für Betreiber in der Direktvermarktung von Photovoltaik ist die Entwicklung des Marktwerts daher ein wichtiger Indikator für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Stromvermarktung.
Spotmarktpreis steigt ebenfalls deutlich
Nicht nur der Marktwert Solar legte im August zu. Auch der durchschnittliche Spotmarktpreis stieg deutlich und erreichte 12,689 Cent/kWh.
Damit lag der allgemeine Spotmarktpreis weiterhin erheblich über dem Marktwert von Solarstrom.
Dieser Unterschied verdeutlicht einen zunehmend wichtigen Effekt des starken PV-Ausbaus: Solarstrom wird überwiegend zu ähnlichen Tageszeiten erzeugt. Gerade dann, wenn besonders viel Solarenergie verfügbar ist, fallen die Strompreise häufig niedriger aus.
In Stunden ohne oder mit geringer PV-Erzeugung – beispielsweise am Abend oder in der Nacht – können die Preise dagegen deutlich höher liegen. Diese Hochpreisstunden verbessern zwar den allgemeinen Durchschnittspreis am Spotmarkt, kommen Photovoltaikanlagen aufgrund ihres Erzeugungsprofils jedoch kaum zugute.
Auch Windenergie erzielt höhere Marktwerte
Die positive Entwicklung im August beschränkte sich nicht auf die Photovoltaik. Auch die Marktwerte für Windenergie stiegen gegenüber dem Vormonat.
Der Marktwert Wind an Land erreichte 11,545 Cent/kWh. Bei Windenergie auf See waren es sogar 11,967 Cent/kWh.
Damit lagen beide Wind-Marktwerte deutlich über dem Marktwert Solar.
Ein Grund dafür liegt in den unterschiedlichen Erzeugungsprofilen. Windkraftanlagen können grundsätzlich zu jeder Tages- und Nachtzeit Strom erzeugen. Photovoltaikanlagen konzentrieren ihre Produktion dagegen auf die Tagesstunden – und insbesondere auf Zeiträume, in denen viele andere PV-Anlagen ebenfalls einspeisen.
226 Viertelstunden mit negativen Strompreisen
Trotz des gestiegenen Marktwerts Solar waren negative Börsenstrompreise auch im August ein relevantes Thema.
Insgesamt wurden während des Monats 226 Viertelstunden mit negativen Strompreisen registriert. Das entspricht rechnerisch 56,5 Stunden.
Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Sämtliche negativen Viertelstunden lagen tagsüber zwischen 9:30 Uhr und 16:45 Uhr.
Die zeitliche Verteilung macht den Zusammenhang mit der hohen Solarstromproduktion deutlich. Bei guten Wetterbedingungen speisen Millionen Photovoltaikanlagen gleichzeitig Strom ein. Trifft dieses große Angebot auf eine vergleichsweise niedrige Nachfrage und begrenzte Flexibilität im Stromsystem, können die Preise an der Börse bis unter null fallen.
Negative Strompreise werden für PV-Betreiber wichtiger
Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Blick auf das Gesamtjahr. Bis Ende August 2026 summierten sich die negativen Börsenpreise bereits auf 1.710 Viertelstunden.
Das entspricht insgesamt 427,5 Stunden.
Für Betreiber neuer Photovoltaikanlagen können solche Zeiträume unmittelbare wirtschaftliche Auswirkungen haben. Bei Anlagen, die unter die entsprechenden Regelungen des Solarspitzengesetzes fallen, entfällt in Phasen negativer Börsenstrompreise die EEG-Förderung.
Damit gewinnen die tatsächlichen Marktbedingungen während der Einspeisung weiter an Bedeutung.
Für die Wirtschaftlichkeit einer Anlage reicht es künftig immer weniger aus, ausschließlich die jährlich produzierte Strommenge zu betrachten. Auch der Zeitpunkt der Erzeugung und der zu diesem Zeitpunkt erzielbare Strompreis werden wichtiger.
Warum der Solarstrom zunehmend unter Preisdruck gerät
Der Effekt lässt sich mit einem einfachen Marktmechanismus erklären: Mit jedem weiteren Ausbau der Photovoltaik steigt an sonnigen Tagen gleichzeitig das Stromangebot.
Die zusätzlichen Erzeugungsmengen treffen jedoch nicht automatisch auf eine entsprechend steigende Nachfrage.
Die Folge kann eine Art Kannibalisierungseffekt innerhalb der Solarstromerzeugung sein: Je mehr PV-Anlagen gleichzeitig produzieren, desto stärker kann der zusätzliche Solarstrom den Börsenpreis während dieser Stunden reduzieren.
Das bedeutet nicht, dass zusätzliche Photovoltaik grundsätzlich problematisch ist. Vielmehr steigt mit ihrem Ausbau der Bedarf an Technologien und Marktmechanismen, die Strom zeitlich verschieben oder zusätzlichen Verbrauch in günstige Stunden verlagern können.
Dazu gehören insbesondere Batteriespeicher, flexible Verbraucher, Elektrolyseure, Elektromobilität und eine stärkere Anpassung industrieller Lasten an das Stromangebot.
Batteriespeicher und flexible Vermarktung gewinnen an Bedeutung
Die August-Zahlen verdeutlichen deshalb auch die wachsende Bedeutung von Flexibilität.
Batteriespeicher können beispielsweise Solarstrom aufnehmen, wenn mittags viel Strom produziert wird und die Börsenpreise niedrig sind. Die gespeicherte Energie kann anschließend in Stunden mit geringerer Erzeugung und höheren Preisen genutzt oder vermarktet werden.
Auch eine intelligente Steuerung von Erzeugung und Verbrauch kann dazu beitragen, stärker auf Preissignale des Strommarktes zu reagieren.
Für die Direktvermarktung von Photovoltaik bedeutet diese Entwicklung, dass künftig nicht allein die produzierte Kilowattstunde zählt. Entscheidend wird zunehmend, welchen Wert diese Kilowattstunde zum Zeitpunkt ihrer Einspeisung besitzt.
EEG-Konto mit Überschuss von mehr als 1,55 Milliarden Euro
Parallel zur Entwicklung der Marktwerte stieg im August auch der Überschuss auf dem EEG-Konto der Übertragungsnetzbetreiber.
Zum Monatsende lag dieser bei mehr als 1,55 Milliarden Euro. Die Einnahmen überstiegen die Ausgaben im August um knapp 368 Millionen Euro.
Gleichzeitig floss im August ein Bundeszuschuss von rund 1,88 Milliarden Euro auf das EEG-Konto. Im bisherigen Jahresverlauf beliefen sich die Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt damit auf insgesamt mehr als 11 Milliarden Euro.
Das EEG-Konto dient der Abwicklung der Zahlungsströme, die im Zusammenhang mit der Förderung erneuerbarer Energien entstehen.
Was bedeutet die Entwicklung für Anlagenbetreiber?
Der August zeigt, wie dynamisch sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Photovoltaikanlagen inzwischen entwickeln.
Der deutliche Anstieg des Marktwerts Solar auf 6,359 Cent/kWh ist zunächst eine positive Entwicklung für die Vermarktung von Solarstrom. Gleichzeitig verdeutlichen die 226 negativen Viertelstunden, dass hohe PV-Produktion zunehmend mit niedrigen oder sogar negativen Börsenpreisen zusammenfällt.
Für Anlagenbetreiber werden deshalb mehrere Faktoren wichtiger: die Entwicklung des Marktwerts Solar, die Zahl negativer Preisstunden, das individuelle Erzeugungsprofil sowie Möglichkeiten zur flexiblen Vermarktung oder Speicherung.
Gerade bei neuen Anlagen dürfte die Betrachtung dieser Faktoren zunehmend Bestandteil einer realistischen Wirtschaftlichkeitsberechnung werden.
Fazit: Höherer Marktwert trifft auf zunehmende Preisvolatilität
Mit 6,359 Cent/kWh hat sich der Marktwert Solar im August 2026 gegenüber Juli deutlich verbessert und liegt zugleich erheblich über dem Niveau des Vorjahresmonats. Auch Windenergie und der allgemeine Spotmarkt verzeichneten steigende Werte.
Gleichzeitig bleibt der zunehmende Preisdruck während sonnenreicher Stunden eine zentrale Herausforderung für die Photovoltaik. Bereits 427,5 Stunden mit negativen Börsenstrompreisen bis Ende August zeigen, wie stark sich das Marktumfeld verändert.
Für Betreiber von Photovoltaikanlagen gewinnt deshalb neben der reinen Stromproduktion vor allem die Frage an Bedeutung, wann und zu welchem Preis der erzeugte Strom vermarktet wird. Damit rücken Direktvermarktung, Speicher und flexible Betriebsstrategien weiter in den Mittelpunkt.
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