Direktvermarktung in Deutschland wächst weiter: Erneuerbare legen um über 1.000 MW zu
Die Direktvermarktung in Deutschland setzt ihren Wachstumskurs fort: Allein im August kamen über 1.100 MW erneuerbare Leistung hinzu. Besonders Photovoltaik und Windenergie an Land treiben die Entwicklung. Der Artikel ordnet die aktuellen Zahlen ein und erklärt, warum die marktorientierte Stromvermarktung weiter an Bedeutung gewinnt.
7/8/2025
Die Direktvermarktung von Strom aus erneuerbaren Energien ist längst ein zentrales Element des deutschen Strommarktes. Monat für Monat wächst die installierte Leistung von Anlagen, die ihren Strom nicht mehr über feste Einspeisetarife, sondern marktnah vermarkten. Dieser Artikel ordnet die aktuellen Zahlen zur Direktvermarktung sachlich ein, erklärt die Hintergründe des anhaltenden Wachstums und zeigt auf, welche Technologien besonders stark zum Zubau beitragen. Ziel ist eine faktenbasierte, neutrale Analyse für Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen und Marktteilnehmer.
1. Direktvermarktung setzt Wachstumskurs fort
Auch im August zeigt sich der anhaltende Trend: Die Direktvermarktung erneuerbarer Energien in Deutschland wächst weiter deutlich. Gegenüber dem Vormonat wurden rund 1.140 MW zusätzliche Leistung zur Direktvermarktung angemeldet. Damit erhöht sich die insgesamt direktvermarktete Leistung auf rund 123.700 MW.
Die Zahlen stammen aus der aktuellen Direktvermarktungsstatistik der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber. Sie verdeutlichen, dass die marktorientierte Vermarktung von Strom aus erneuerbaren Quellen längst kein Nischensegment mehr ist, sondern den Regelfall für größere Anlagen darstellt.
2. Stetige Zuwächse seit Jahresbeginn
Der Blick auf die vergangenen Monate zeigt, dass der August kein Ausreißer ist, sondern sich in eine kontinuierliche Entwicklung einreiht:
April: Plus von rund 1.220 MW (bisher stärkster Monatszuwachs des Jahres)
Mai: leicht geringerer, aber stabiler Anstieg
Juni: rund 1.080 MW zusätzliche Leistung
Juli: etwa 1.005 MW Zubau
August: erneut über 1.100 MW
Damit bleibt das monatliche Wachstum der Direktvermarktung seit Monaten nahe oder über der Gigawatt-Marke. Diese Entwicklung spiegelt sowohl den anhaltenden Ausbau erneuerbarer Energien als auch die zunehmende Bedeutung der marktnahen Stromvermarktung wider.
3. Welche Anlagen sind direktvermarktungspflichtig?
Grundlage für diese Entwicklung ist die gesetzliche Ausgestaltung des EEG. In der Regel gilt:
Direktvermarktungspflicht ab 100 kW installierter Leistung
kleinere Anlagen – insbesondere private Dach-PV – sind davon ausgenommen
Das bedeutet: Die mehreren Millionen kleinen Photovoltaikanlagen auf Wohngebäuden tauchen in der Direktvermarktungsstatistik nicht auf, obwohl sie einen relevanten Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Die Statistik bildet vor allem größere PV-Freiflächenanlagen, Windparks, Biomasse- und Wasserkraftwerke ab.
4. Marktprämienmodell bleibt dominierend
Den größten Anteil innerhalb der Direktvermarktung stellt weiterhin das EEG-Marktprämienmodell. Dabei erhalten Anlagenbetreiber neben den Erlösen aus dem Stromverkauf an der Börse eine gleitende Marktprämie, die die Differenz zum anzulegenden Wert ausgleicht.
Im August stieg die im Marktprämienmodell vermarktete Leistung um knapp 790 MW auf insgesamt rund 96.400 MW. Damit entfällt der überwiegende Teil der Direktvermarktung weiterhin auf geförderte Anlagen, während ungeförderte Modelle – etwa PPAs oder sonstige Direktvermarktung – zwar wachsen, aber noch einen kleineren Anteil ausmachen.
5. Photovoltaik als wichtiger Wachstumstreiber
Besonders deutlich zeigt sich das Wachstum bei der Solarenergie. Innerhalb eines Monats nahm die direktvermarktete PV-Leistung um rund 420 MW zu und erreichte damit gut 31.000 MW.
Dieser Zuwachs ist vor allem auf folgende Faktoren zurückzuführen:
anhaltend hoher Ausbau von PV-Freiflächenanlagen
steigende Bedeutung großer Dachanlagen im Gewerbe
klare Marktintegration durch Direktvermarktung
Photovoltaik ist damit einer der wichtigsten Wachstumstreiber innerhalb der Direktvermarktung – sowohl im geförderten als auch im ungeförderten Segment.
6. Windkraft an Land wächst moderat weiter
Auch die Windenergie an Land verzeichnete im August einen Zuwachs. Die direktvermarktete Leistung stieg um rund 375 MW auf knapp 50.850 MW.
Im Vergleich zur Photovoltaik fällt das Wachstum moderater aus, was unter anderem auf:
längere Planungs- und Genehmigungsprozesse
geringere monatliche Inbetriebnahmen
Repowering-Effekte statt reiner Neuanlagen
zurückzuführen ist. Dennoch bleibt die Windkraft an Land das leistungsstärkste Segment innerhalb der Direktvermarktung.
7. Stagnation und leichte Rückgänge bei anderen Technologien
Während Solar und Wind an Land zulegen, zeigen sich bei anderen erneuerbaren Technologien kaum Veränderungen:
Windenergie auf See: rund 6.380 MW, leicht rückläufig
Biomasse: etwa 7.150 MW, ebenfalls leicht rückläufig
Wasserkraft: stabil bei rund 920 MW
Geothermie: unverändert bei 45 MW
Gas (EEG-relevant): konstant bei rund 50 MW
Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Ausbau der Direktvermarktung aktuell stark von variablen erneuerbaren Energien geprägt ist, während grundlastfähige Technologien kaum wachsen.
8. Sonstige Direktvermarktung: Wachstum fast ausschließlich durch Solar
Neben dem Marktprämienmodell existiert die sogenannte sonstige Direktvermarktung. Darunter fallen unter anderem ungeförderte Anlagen oder alternative Vermarktungsmodelle.
In diesem Segment stieg die Leistung im August von rund 27.000 MW auf 27.350 MW – ein Plus von etwa 350 MW. Auffällig dabei:
Das Wachstum ist ausschließlich auf Solarenergie zurückzuführen
Andere erneuerbare Technologien zeigen hier kaum Bewegung
Dies unterstreicht erneut die besondere Rolle der Photovoltaik bei der Marktintegration erneuerbarer Energien.
9. Warum wächst die Direktvermarktung so stark?
Mehrere strukturelle Faktoren erklären das anhaltende Wachstum:
EEG-Rahmenbedingungen Die Direktvermarktung ist für größere Anlagen Standard und regulatorisch klar verankert.
Ausbau erneuerbarer Energien Jede neu in Betrieb gehende größere Anlage landet automatisch in der Direktvermarktung.
Zunehmende Marktintegration Betreiber beschäftigen sich stärker mit Strompreisen, Marktwerten und Erlösoptimierung.
Flexibilisierung des Stromsystems Direktvermarktung ermöglicht bessere Anpassung an volatile Einspeisung und Nachfrage.
10. Bedeutung für Anlagenbetreiber
Für Betreiber erneuerbarer Energieanlagen bedeutet diese Entwicklung:
Marktkenntnis wird immer wichtiger
Erlöse hängen stärker von Börsenpreisen und Marktwerten ab
Professionelle Direktvermarktung wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor
Insbesondere bei Photovoltaik- und Windanlagen entscheidet die Qualität der Vermarktung zunehmend über die Wirtschaftlichkeit.
Fazit
Die Direktvermarktung erneuerbarer Energien in Deutschland wächst kontinuierlich und hat mit über 123 GW installierter Leistung eine neue Größenordnung erreicht. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem durch Photovoltaik und Windenergie an Land, während andere Technologien stagnieren.
Das Marktprämienmodell bleibt das Rückgrat der Direktvermarktung, zugleich gewinnt die sonstige Direktvermarktung – insbesondere bei Solar – langsam an Bedeutung. Für Anlagenbetreiber zeigt sich klar: Die Direktvermarktung ist kein Übergangsmodell mehr, sondern ein fester Bestandteil eines zunehmend marktbasierten Stromsystems.
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